Landkreis Fulda informierte über die Unterbringung von Flüchtlingen im Schloss Mackenzell

Im Laufe des Januar 2016 sollen in Mackenzell bis zu 90 Flüchtlinge und Asylbewerber in der Fachklinik des Guttempler Hilfswerks untergebracht werden. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung am 1.12.2015 informierte der Fachdienstleiter des Amtes für Arbeit und Soziales, Jürgen Stock vom Landkreis Fulda, gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Guttempler Hilfswerks, Hartmut Severing, über die Pläne zur Nutzung der Immobilie. Ortsvorsteherin Annette Trapp begrüßte die rund 200 Zuhörer im Saal der Gaststätte Goldener Engel. Sowohl die Ortsvorsteherin, als auch Bürgermeister Stefan Schwenk standen den Zuhörern dabei ebenfalls als Gesprächspartner zur Verfügung. Über seine Erfahrungen im praktischen Ablauf mit den Flüchtlingen berichtete Herr Baumann, der als Sozialarbeiter auf dem Michaelshof in Unterbernhards mit 100 Flüchtlingen arbeitet.

Stock richtete den Blick auf die gegenwärtige Situation der Flüchtlingsunterbringung im Landkreis Fulda. Wer aus den zentralen Aufnahmeeinrichtungen in Gießen mit seinen Außenstellen dem Landkreis Fulda zugewiesen werde, erfahre der Landkreis selbst sehr kurzfristig. Freitags erhalte das Landratsamt die Mitteilung und am darauffolgenden Mittwoch würden die Asylbewerber eintreffen. Gegenwärtig seien im Landkreis Fulda 1.750 Kriegsflüchtlinge und Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sowie 228 unbegleitete Jugendliche. In der Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung, im ehemaligen Max Bahr Baumarkt und in Großenlüder, würden derzeit 600 Menschen betreut und weiterhin halte der Landkreis Fulda sogenannte Notaufnahmeplätze in einer Größenordnung von 350 Betten vor. Seien es im Sommer noch 30 bis 40 Flüchtlinge jede Woche gewesen, sei die Zahl im November auf 80 Personen angewachsen. Im vergangenen Jahr seien es noch insgesamt 500 gewesen.

Zu den Herkunftsländern berichtete Stock, dass die Zahl der Flüchtlinge vom Balkan stark zurückgegangen sei. Über 50 Prozent der Flüchtlinge kommen gegenwärtig aus dem syrischen Kriegsgebiet, weitere Betroffene aus Afghanistan, Iran, Irak und Pakistan sowie einigen afrikanischen Ländern. Mittlerweile seien dem Landkreis Fulda sehr viele Liegenschaften angeboten worden, so sei auch das Guttempler Hilfswerk bereits im Juli auf den Landkreis zugekommen. Die Gespräche hätten dann im Oktober in eine Vereinbarung gemündet. Gegenwärtig laufe das Baugenehmigungsverfahren zur Nutzung des Wasserschlosses als Unterkunft. Die vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit sei auf fünf Jahre ausgerichtet. Nach gegenwärtigem Stand sollen in den insgesamt vier Gebäuden des Guttempler Hilfswerks, im Schloss selbst und in den vorgelagerten Häusern, 80 bis 90 Menschen untergebracht werden. Ortsvorsteherin Annette Trapp verwies darauf, dass die Ortsgemeinschaft mit den zahlreichen engagierten Vereinen viele Möglichkeiten biete, sich für diese Menschen zu engagieren. Es gehe nicht um die Frage der grundsätzlichen europäischen Asylpolitik, sondern vielmehr darum, wie Mackenzell vor Ort mit den Menschen umgehen könne. Auch Bürgermeister Stefan Schwenk freute sich über das große Interesse an dieser Informationsveranstaltung des Landkreises. Die Stadt Hünfeld sei an dieser Aufgabe nur mittelbar beteiligt, da die Flüchtlingsunterbringung durch den Landkreis Fulda gesteuert werde. Gleichwohl habe er den Eindruck, dass der Landkreis dieser Aufgabe bislang gut gerecht geworden sei und auf die Nutzung von Gemeinschaftseinrichtungen wie Sporthallen verzichten konnte. Solche Gemeinschaftseinrichtungen seien wichtig, damit das Vereinsleben intakt bleibe. Den Vereinen komme eine wichtige Rolle bei der Integration zu. Allerdings plädierte der Bürgermeister dafür, die Anzahl der aufzunehmenden Flüchtlinge in dieser Unterkunft noch einmal zu überprüfen, insbesondere im Hinblick auf die Brandsicherheit. Dazu nahmen im Verlauf der sehr sachlichen Diskussion auch Stadtbrandinspektor Thorsten Rübsam und Wehrführer Dirk Wächtersbach Stellung, die darum baten, dass auch die Feuerwehr vor Ort in die Planung mit einbezogen werden sollte. Jürgen Stock sagte zu, dass er dies innerhalb der Kreisverwaltung an die Bauaufsicht weitergeben werde.

Auf die betriebswirtschaftliche Entscheidung, die beiden Standorte der Fachkliniken Mackenzell und Mahlertshof zusammenzulegen, ging Geschäftsführer Hartmut Severing ein. Es habe sich gezeigt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb an zwei Standorten nicht mehr möglich sei. Deshalb habe die Guttempler Gemeinschaft das Gespräch mit dem Landkreis Fulda gesucht, das schließlich im Oktober in eine Vereinbarung gemündet sei. Die Guttempler Gemeinschaft verfüge über viel Erfahrung in der Sozialarbeit und habe für die Einrichtung in Hünfeld als Leiter Andreas Steinmann und als Sozialarbeiterin Martina Baumann-Hillenbrand gewinnen können, die auch für die Mackenzeller vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung stehen würden. Dieses offene Zugehen auf die Mackenzeller durch die Guttempler Gemeinschaft forderten auch Ortsvorsteherin Trapp und Bürgermeister Schwenk mit Nachdruck ein, nachdem es in der Diskussion auch einige kritische Beiträge zu der bisher fehlenden Information seitens der Guttempler gegeben hatte.

Ortsvorsteherin Trapp kündigte an, dass es bereits am 15. Dezember ab 20 Uhr im Probenraum des Mackenzeller Gesangvereins ein erstes Gespräch geben soll, zu dem Vertreter der Mackenzeller Vereine, sowie weitere Mitbürger, die sich ehrenamtlich einsetzen wollen, herzlich eingeladen sind. Auch Sabine Fischer vom Fachdienst Ehrenamt des Landkreises wird hinzukommen. Dabei sollen dann erste Möglichkeiten erörtert werden, wie die Vereine und sonstige Personen dazu beitragen können, bei der Integration dieser Mackenzeller Neubürger mitzuwirken.

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