Kirche Nüst Vorstellung

Filialkirche St. Vitus in Nüst

Bereits im Jahre 1594 war Nüst eine Filiale der Pfarrei Hünfeld und hatte eine Kapelle. Doch waren die Bewohner der Vorderrhön mit der Christianisierung durch die Missionare schon über einen längeren Zeitraum zum Christentum übergetreten. Durch den 30jährigen Glaubenskrieg, der die katholische Kirche spaltete, wurden weite Teile Mitteleuropas wüst und unbewohnt.

In einer Schilderung über die Zustände des Amtes Mackenzell hieß es im Jahre 1648: Nüst ist gantz wüst unbewonth, Hassel (Kirchhasel, Haselstein) liegen alle wüst, Gotthards liegt wüst und verdorben, ...... Doch schon mit der Wiederbesiedlung der kleinen Ortschaft Nüst zog auch wieder das Christentum mit dem katholischen Glauben ein. Die ersten Eintragungen in den Pfarrbüchern der Gemeinde Mackenzell begannen im Jahre 1698. Bei einer Visitation (lat. =besuchen, bedeutet den Besuch eines Kirchenoberen mit Aufgabenbefugnis zumZweck der Bestandsaufnahme und Normenkontrolle) im Jahre 1731 wurde der Heilige Vitus als Titular der Kapelle in Nüst genannt. Die Liste der Pfarrer in Mackenzell beginnt mit Andreas Wiedenlocher, geboren in Hünfeld. Er war von 1736 bis zu seinem Tod 1760 in Mackenzell im Amt. Bereits im Jahre 1736 wurde Mackenzell zu einer selbstständigen Pfarrei erhoben. Ihr wurden am 14. Mai 1737 die Gemeinden Nüst und Molzbach als Filialen unterstellt.

Eine neue, wohl größere Fachwerkkapelle mit Dachreiter wurde 1763 errichtet. Es ist weiter nicht bekannt, ob die ältere Kapelle baufällig war oder ob der Neubau wegen der gestiegenen Einwohnerzahl errichtet wurde. Im Jahr 1910 waren in Nüst 242 Katholiken und 14 Protestanten wohnhaft.

Bau der jetzigen Kirche

Wohl auch durch die in Nüst hinzugekommenen Heimatvertriebenen stieg die Bevölkerungszahl stark an. Das Kirchlein war zu klein, viele katholische Nüster gingen, weil in der Nüster Kirche kein Platz war, nach Hünfeld in die Kirche. Wiederholt kam es 1948 zu einen Währungsschnitt: Die angesparte Summe von 52.000 Mark für einen Kirchenneubau war wertlos. Bedauerlicherweise konnten wegen der Knappheit an Baumaterial vorher von dem angesparten Geld keine Baustoffe gekauft werden. In einem Schreiben vom Regierungspräsidenten in Kassel, Abteilung Bauwesen, vom 14. August 1948 an das Bischöfliche Generalvikariat Fulda ist zu lesen: „Wie mir bekannt wurde, ist in Nüst der Bau einer katholischen Kirche geplant. In diesem Zusammenhang hat der Herr Landeskonservator den Vorschlag gemacht, die ausgebrannte Kirche in Mackenzell, die als einer der schönsten Barockbauten des Fuldaer Landes unter Denkmalschutz steht, in Nüst wieder aufzubauen, falls ihre Wiederherstellung aus kirchlichen Gründen nicht mehr in Frage kommt“ Man dachte darüber nach, die am 1. April 1945 durch amerikanischen Beschuss ausgebrannte Kirche in Nüst wieder aufzubauen.

In den Akten der Kirchenbücher Nüst steht am 7. August 1952 unter Neubau der Kirche folgender Text:

Die Witwe Maria Röbig geb. Brähler schenkt der kath. Kirchengemeinde Nüst diesen Kirchplatz, um den Bau gerade an dieser Stelle zu ermöglichen. Zum Ausgleich der Ansprüche des Bauern Heinrich Machens und des Hüttners Josef Machens, stellt die Witwe Maria Sophie Röbig zwei Grundstücke zur Verfügung.

Die Kriegerwitwe Röbig (ihr Ehemann Ferdinand Röbig wurde seit 1945 in Posen als vermisst gemeldet) schenkte hiermit der Kirchengemeinde Nüst das Grundstück auf dem sogenannten „Melchstück“ im Tausch mit den Herren Heinrich und Josef Machens, welche je ein Stück Ackerland an anderer Stelle in der Gemarkung Nüst bekamen. Der Architekt war der aus Hünfeld stammende Ludwig Ehrlich, der für seine Arbeit kein Geld bekam, sondern ein Schlachtschwein.

Das gesamte Bauprojekt wird sich auf rund 100.000 DM belaufen. Einen Teil der Kosten will die Einwohnerschaft, auch die evangelischen Christen werden nicht abseits stehen, selbst aufbringen. Bereits jetzt sind die erforderlichen 80.000 Gittersteine angefahren“.

Am 17. Mai 1956 war zu lesen: „Grundsteinlegung zum Gotteshaus in Nüst. Seit Mitte April sind die Männer des Bauunternehmens Ferdinand Noll aus Dammersbach mit der Errichtung der Fundamente beschäftigt. Bei den Vorarbeiten hat sich der Gemeinsinn der Nüster Bevölkerung gezeigt. Die Erdarbeiten und die Anfuhr des Baumaterials übernahmen die Gläubigen in freiwilliger Arbeit. Geldspenden flossen reichlich, jeder wollte sein Scherflein zum Bau beitragen.

Zur Grundsteinlegung am 22. Mai 1956 ist zu lesen: „ Am Pfingstsonntag fand unter großer Beteiligung der Gläubigen die feierliche Grundsteinlegung zur neuen Filialkirche statt, die dem hl. Vitus geweiht sein wird. Eine große Zahl von geistlichen und weltlichen Vertretern wohnte der Grundsteinlegung bei. Der Weiheakt selbst wurde von Msgr. Dr. Pralle unter Assistenz von Geistlichen Rat Dechant Karl Medler (Hünfeld) und Ortspfarrer Joseph Leister (Mackenzell) vorgenommen. Unter den Gästen bemerkte man P. Superior Schulte – Kückelmann vom Oblatenkloster in Hünfeldund P. Willenbrink OMI. Auch Studiendirektor Dr. Kurt Kratz und der Pfarrer der Hünfelder evangelischen Gemeinde Julius Martiny, waren zugegen. Die Feier wurde mit dem Choral „Das ist der Tag des Herrn“, gespielt von der Blaskapelle Stiegel (Mackenzell), eingeleitet. Weitere Darbietungen brachte der Männergesangverein Nüst unter Stabführung von Lehrer Nentwig, Schulkinder trugen Gedichte vor. Die Grundsteinurkunde, die auf Pfingsten, 20.Mai 1956, datiert und von Msgr. Dr. Pralle, Dechant Medler, Pfarrer Leister, Landrat Beck und Bürgermeister Joh. Pfeffermann unterschrieben ist, wurde vorgelesen. Weitere Gäste waren: die Bürgermeister Trapp (Mackenzell), Hütsch (Dammersbach) und die Lehrerschaft des Kirchenspiels und Architekt Ehrlich aus Hünfeld“.

Am 4. Juli 1956 ist zu lesen: „Der Richtkranz weht auf der Nüster Kirche“.Genau sechsWochen nach der Grundsteinlegung feierte die Gemeinde Nüst mit den am Bau beteiligten Arbeitern der Firmen Noll und Roth aus Dammersbach und Mackenzell und den Zimmerleuten der Firma Flügel (Hofbieber) das Richtfest ihrer neuen Kirche.

Weihbischof Bolte weihte die neue Kirche

In feierlicher Prozession wurden der Weihbischof und die Geistlichkeit von der nahen Schule abgeholt. Nach Gedicht-, Musik- und Liedvorträgen wurde der Weihbischof vor dem neuen Kirchenportal von Bürgermeister Pfeffermann und Pfarrer Leister willkommen geheißen. Pfarrer Leister wies in seiner Ansprache auf die vorbildliche Opferbereitschaft der Gemeinde Nüst hin.

Die Weihe des neuen Gotteshauses durch den Weihbischof dauerte etwa eine halbe Stunde. Anschließend war in der Kirche das erste feierliche Levitenamt. Am Nachmittag um 15 Uhr trägt Pfarrer Leister unter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung das Allerheiligste aus der alten in die neue Kirche. Hieran schließt sich eine feierliche Festandacht an. Den Ausklang des Tages bildet der Kirchweihtanz in den Sälen der Gastwirtschaft Trapp und Vögler im Pfarrdorf Mackenzell.

Da der Landeskonservator schweren Herzens einem Abbruch des alten Kapellchens nun doch zugestimmt hat, wurde es im gleichen Jahr (1956) auch abgerissen. Übernommen in die neue Kirche wurde lediglich das kleine Glöcklein und das Harmonium, bis einmal Mittel zur Anschaffung eines entsprechenden Geläutes und einer Orgel vorhanden sein werden. Auch die kunstvoll geschnitzten Holzfiguren der vierzehn Heiligen finden an der Rückwand der neuen Kirche einen Platz.

Da Nüst Mackenzell beim Bau seiner neuen Kirche tatkräftig unterstützt hatte, stellte Mackenzell für die Nüster Kirche die Bruchsteine und einen Teil des Holzes.

Die Gesamtkosten der Kirche belaufen sich auf ca. 300.000,-DM

Orgel

Gebaut wurde die Orgel von Bernd Koch, Wuppertal, im Jahre 1955. Ursprünglich stand sie in einer kleinen Kirche in Ennepetal bei Wuppertal. Sie wurde nach dem Kauf von der Firma Hey aus Sondheim / Rhön überholt und in Nüst eingebaut. Die Einweihung fand in 1963 durch Studienrat Dr. Eduard Krieg, Fulda statt. Er erläuterte im Einzelnen das zehn Register umfassende Orgelwerk.

Glocken

Im Protokollbuch des Kirchenvorstandes findet sich unter dem 3. Oktober 1963der Beschluss über den Kauf von drei Glocken für die neue Kirche. Sie sollten von der Glockenfirma Bachert in Bad Friedrichshall gegossen werden. Die Einweihung erfolgte im September 1964, wobei neben Ortspfarrer Joseph Leister noch weitere Nüster Bürger teilnahmen. Dechant Oskar Schmalbauch weihte im Auftrag des Bischofs die neuen Glocken.

aus Unterlagen von Manfred J. Aha, Nüst, ebenso die Fotos (Original wurde gekürzt)