2015-70 Jahrestag Kriegszerstörung

Gedenkfeier 70 Jahre Kriegseinwirkung in Mackenzell

Der Ortsbeirat und die Kirchengemeinde gedachten in einer würdigen Feier der Ereignisse vom 1. April 1945 mit Beteiligung der Feuerwehr, der Tonica und des Gesangvereins. Wegen der widrigen Wetterverhältnisse fand die Feier in der gut gefüllten Kirche statt.

Zur Eröffnung intonierte der Bläserchor Tonica unter der Leitung von Tobias Baumann ein dem Anlass entsprechenden Musikstück, zuvor hatte sich die Feuerwehr mit einer 10 köpfigen Ehrenformation auf den Altarstufen aufgestellt. In ihrer Begrüßung zitierte die Ortsvorsteherin Annette Trapp den Alt-Bundespräsident von Weizsäcker mit den Worten „Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, der ist blind für die Gegenwart“. Deshalb habe man sich hier zusammengefunden, um der Ereignisse vor 70 Jahren zu gedenken. Es soll Mahnung und Verpflichtung sein, dass so etwas nie wieder geschieht. Der 1. April 1945 war für Mackenzell ein tiefgreifendes Ereignis, das viel Leid über das Dorf gebracht hat. Bei den Gefechten mit den amerikanischen Streitkräften fanden 24 junge Soldaten einen sinnlosen Tod, die auf dem Friedhof in Weißenborn bestattet wurden. (siehe letzte Fotos in der Bilderserie). Auch kamen 2 Zivilisten aus Mackenzell und 1 Zivilist aus Molzbach ums Leben. Nicht nur die schöne Barockkirche auch 6 Wohnhäuser und 17 Scheunen, sowie eine Lagerhalle wurden zerstört.

Der Gesangverein unter Leitung von Monika Meyer brachte sodann das Lied „Der Herr ist mein Hirte“ zu Gehör, bevor Stadträtin Martina Sauerbier die Grüße des Magistrats und des Bürgermeisters überbrachte. Einige Mackenzeller, damals noch Kinder oder Jugendliche, so Frau Sauerbier, haben die Ereignisse heute noch vor Augen. Solch schreckliche Ereignisse erinnern auch aktuell an die zahlreichen Kriege, wo Not und Flucht herrschen. Zu bewundern sei die große Leistung der Mackenzeller Bürger, die die Schäden in relativ kurzer Zeit behoben haben, zumal auch noch zahlreiche Flüchtlinge aufgenommen wurden.

Nach einem weiteren Musikstück durch die Tonica zitierte Pater Günther Kames einen Text aus dem Buch Deuteronomium:“Denk an die Tage der Vergangenheit, lerne aus den Jahren der Geschichte, frag deinen Vater, er wird es dir erzählen, frag die Alten, sie werden es dir sagen“, dafür seien wir hier versammelt, um an die Vergangenheit zu denken und aus der Geschichte zu lernen. Man müsse sich dafür interessieren, woher wir kommen und wohin wir gehen. Wer die Vergangenheit nicht ehrt, vergisst die Zukunft, weil er seine Wurzeln vernichtet und nicht wachsen kann. Sodann trugen Firmlinge Fürbitten vor. Der Gesangverein brachte dann das Lied zum Vortrag „Möge die Straße uns zusammenführen“. Nach einem gemeinsamen „Vater unser“ sang die Gemeinde das Lied „Nun danket alle Gott“.

Die Ehrenformation der Feuerwehr begleitete Pater Kames, die Ortsvorsteherin Trapp und die Stadträtin Sauerbier mit dem Gedenkkranz, getragen von Herrn Malkmus von der Stadtverwaltung, hinaus zum Kriegerehrenmal, wo der Kranz unter musikalischer Begleitung von drei Musikern der Tonica niedergelegt wurde.

In der Kirche war eine Bilderausstellung über die damalige Zeit zu betrachten, soweit Fotos im Archiv des Heimat- und Kulturvereins vorhanden sind und die Kirchenglocken läuteten, so wie jedes Jahr am 1. April.

Im Anschluss fand eine Gesprächsrunde im überfüllten Pfarrsaal des Kindergartens statt, wo Zeitzeugen darüber berichteten, wie sie den 1. April erlebt haben. Dazu wurden Bilder in einer Präsentation gezeigt, unter anderem von der alten Kirche, wie sie früher aussah und Ansichten vom abgebrannten Dachstuhl und den späteren Abrissarbeiten, sowie von Gebäuden und Dorfansichten, wie es vor dem Beschuss durch die Amerikaner aussah.

Sabine Trapp vom Ortsbeirat hatte gekonnt die Moderation dazu übernommen.

Aus ihren Erinnerungen berichteten Agnes Gensler, Gertrud Meyer, Regina Schön, Paula Wehner und Rudolf Wiegand, sowie Hanno von Heimburg aus Hannover, ein früherer Soldat, der in der damaligen Zeit hier in der Nähe war. Ferner sprachen einige darüber, die es aus zweiter Hand gehört haben.

Zeitzeugen berichten auch im Mackenzeller Heimatbuch „Dorf und Amtssitz – Eine Wanderung durch die Geschichte“ über die Ereignisse am 1. April 1945, das in der Kirche kostenfrei aus Anlass des Gedenktages mitgenommen werden kann.

Text und Bilder: Winfried Schön